Bischof Damian berichtet beim Eine-Welt-Forum über Ägypten

Minna Ghattas, Birgit Meier, Bischof Damian, Uta Zapf, Norbert Noisser (v. l.)

Die Lage in Ägypten sei noch immer keineswegs stabil, bestätigt Bischof Anba Damian bei einer Diskussionsrunde des „Forums Eine-Welt“ der SPD Hessen-Süd am 28.2. Die große Frage des Abends war, wie es nach dem Sturz Mubaraks nun weitergehe und ob die Demokratie wirklich eine Chance habe. In Anbetracht der noch immer gefährdeten Kopten – die heute 20 Prozent der ägyptischen Bevölkerung ausmachen und als größte Kirche Nordafrikas gelten – forderten die Anwesenden ausdrücklich den Schutz von Minderheiten als Bestandteil der Demokratisierung.

Die Geschichte der Kopten geht weit zurück, erklärte der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche Deutschlands seine Eminenz Bischof Anba Damian. Die „Urbewohner Ägyptens“ werden seit dem siebten Jahrhundert durch den Islam unterdrückt. Seitdem zeigte sich die Repression in verschiedenen Formen – noch heute beispielsweise in Anschlägen wie am 1. Januar in Alexandria, wobei 24 Menschen zu Tode kamen. Anders als von vielen Medien dargestellt, zeige sich das Militär nicht nur neutral und stabilisierend, sondern sei verantwortlich für weitere Tote und Verletzte in den Reihen der Kopten. Ein Video, das Schüsse auf unbewaffnete Zivilisten zeigte, präsentierte Damian am Ende seines Vortrags. „Das zeigt, dass die Strukturen des vorigen Regimes unter der Oberfläche noch immer aktiv sind.“

Die Rolle Europas bewertet der Bischof bei der anschließenden Diskussion positiv, da die westlichen Appelle zum Gewaltverzicht gegenüber der ägyptischen Bevölkerung vor allem wichtige moralische Unterstützung lieferten. Deutschland sei hierbei als erfahrener Partner ein Vorbild. Die Bundestagsabgeordnete Uta Zapf betonte, dass die Frage nach dem Umgang mit Menschenrechtsverletzungen und Minderheitenschutz für Europa nun auch für die Zukunft bedeutsam sei. Jetzt gelte es, „nicht Frontex, sondern die Menschlichkeit“ zu bemühen und die Lehre aus der langjährigen Unterstützung Mubaraks zu ziehen.