Arbeitsgemeinschaft fordert Rückkehr zu G9 und einen echten Ausbau inklusiver Beschulung

Die AfB Hessen-Süd hat Ende März ihren Vorstand neu gewählt. Der Vorsitzende Christoph Degen (sitzend) wurde in seinem Amt bestätigt.

Die Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) der SPD Hessen-Süd hat Ende März turnusgemäß im Rahmen einer Mitgliederversammlung ihren Vorstand neu gewählt. Der 33 jährige Förderschullehrer Christoph Degen wurde in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt. Der ehemalige Landtagsabgeordnete aus dem Main-Kinzig-Kreis führt die AfB Hessen-Süd seit 2011. Ebenfalls wiedergewählt wurden seine Stellvertreter Eberhardt Luft (Darmstadt) und Hannah de Graauw-Rusch (Frankfurt) sowie Dr. Hans-Jochen Schild (Maintal) als Schriftführer.
Als weitere Vorstandsmitglieder wurden gewählt: Harald Achilles (Kreis Offenbach), Kerstin Geis (Kreis Groß-Gerau), Jobst Krautheim (Gießen), Günther Häfner (Frankfurt), Mehmet Kuscu (Hanau), Philipp Thoma (Kreis Bergstraße), Anna Kristina Tanev (Offenbach), Martin Trautvetter (Kreis Groß-Gerau), Adnan Mrkanovic (Frankurt), Guido Seelmann-Eggebert (Wiesbaden), Marina Ulfikowski-Martin (Wetteraukreis) und Barbara Ludwig (Kreis Darmstadt-Dieburg).
Sichtlich stolz war der Vorsitzende auf sein neues Team, das sich neben angehenden, aktiven und ehemaligen Lehrerinnen und Lehrern aus aktiven Vertreterinnen und Vertretern der Elternschaft zusammensetzt. Zudem seien erfahrene Bildungspolitiker dabei, die in Schulleitung und Schulverwaltung bestens verankert seien.

Als Gastreferentin konnten die Bildungsexperten der SPD Gabriele Zimmerer, Landesvorsitzende der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule begrüßen. Zimmerer stellte Möglichkeiten der Schulentwicklung hin zu längerem gemeinsamen Lernen vor. Sie betonte die übergreifende Bedeutung der Inklusion, die das gesamte Schulwesen letztendlich verändere.

Die Umsetzung der Inklusion müsse einer der Schwerpunkte der hessischen SPD nach der Regierungsübernahme in Hessen ab 2014 werden, so der Vorsitzende Degen. Individuelle Förderung müsse ausgebaut werden. „Stellen für inklusive Beschulung dürfen nicht mehr gedeckelt bleiben. Schüler mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung müssen diese an jeder Schulform erhalten können“. Dabei gelte es deutlich zu machen, dass davon nicht nur Schüler mit Behinderung profitierten, sondern alle, die vom durchschnittlichen Tempo unter- oder überfordert seien, wenn auch nur zeitweise. „Kinder lernen nun mal unterschiedlich schnell. Zudem ist Schule stärker als in der Vergangenheit gefordert auch erzieherische und sozialpädagogische Hilfen anzubieten“, so Degen. Ein Ausbau individueller Förderung sei auch ein wichtiger Beitrag zur Förderung jener Schüler, die als hochbegabt gelten. Ebendies gelte auch für Schüler, die nur kurzfristig und zeitweise von einem Leistungsabfall betroffen sind.

Anstelle des so genannten Turbo-Abiturs, das gerade in der Phase der Pubertät Lernzeit nehme, müsse flächendeckend wieder die sechsjährige Mittelstufe treten. Eine unechte Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 in der Mittelstufe lehnt die AfB Hessen-Süd ab. Es sei bereits schwierig genug zwischen Bundesländern zu wechseln. Mit der Beliebigkeitspolitik der derzeitigen Landesregierung werde künftig bereits ein Schulwechsel über die Kreisgrenze problematisch. „Wir brauchen vielmehr Wahlmöglichkeiten, die an allen Schulen umsetzbar sind und sich an einheitlichen Kompetenzstandards orientieren“, so der Vorsitzende. Deshalb setze sie die AfB Hessen-Süd für eine Oberstufenreform ein, die schließlich jedem Schüler ermöglicht nach eigenem Ermessen und auf eigenen Wunsch in der Oberstufe die Schulzeit auf zwölf Jahre zu verkürzen.

Klare Worte richtete die AfB auch in Richtung der Schulverwaltung. „Der selbstständigen Schule muss für ihre Arbeit ein effizientes Unterstützungssystem zur Seite gestellt werden. Daher wird das ineffektive Landesschulamt aufgelöst und Institute und Schulaufsichtsbehörden wieder errichtet, die vor Ort kompetent und bürgernah Schule und Bildung unterstützen können“, so die AfB-Forderung. Erfreut zeigten sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, dass die SPD dies ihrem jüngsten Landesparteitag so in ihr Regierungsprogramm übernommen habe.

Weiterhin wurden auf der Versammlung Handlungsleitlinien zur Entwicklung der eigenverantwortlichen/selbstverantwortlichen Schule diskutiert und beschlossen. Zudem solle der qualifizierende Realschulabschluss abgeschafft werden, da dessen Gewichtungskriterien einzelner Noten nicht logisch nachvollziehbar seien. Zudem bestätigte die AfB ihre Position, den Ausbau echter Ganztagsschulen dringend zu forcieren.

Schließlich verabschiedete die Mitgliederversammlung noch mit großer Mehrheit eine Resolution, welche die hessischen SPD Gremien auffordert, bei der Aufstellung der SPD-Landesliste zur Landtagswahl die beiden aktiven AfB-Bildungspolitiker Christoph Degen und Kerstin Geis auf aussichtsreichen Plätzen der SPD zu berücksichtigen. Der Förderschullehrer Degen und die Landeselternbeiratsvorsitzende Geis repräsentieren als Team Lehrerschaft und Elternschaft und setzen sich beide seit vielen Jahren für eine bessere Bildung in Hessen ein. Schließlich sei Bildungspolitik die zentrale Aufgabe der Landespolitik mit umfangreichen Kompetenzen, was Verankerung und Erfahrung in Schule und Elternarbeit erfordere.