Es geht um den Erhalt unserer Kultur

Portraitfoto von Gernot Grumbach

Ware oder Kulturgut. Nirgendwo ist dieses Spannungsfeld so hart umkämpft wie bei Büchern,
e-books und DVDs. An vorderster Front steht erneut Amazon. Das Geschäftsmodell lautet: viel und vor allem billig. Das müssen die Beschäftigten mit Niedriglöhnen ausbaden, wie wir immer wieder aus Bad Hersfeld erfahren.

Auf der anderen Seite nutzt Amazon seine Marktmacht gnadenlos aus, um sich den Löwenanteil
am Buchpreis zu sichern. Da werden ganze Verlage nicht mehr ins Programm genommen oder die Auslieferung ihrer Bücher lange verzögert, alles nur um den Einkaufspreis möglichst tief zu drücken. Wären Bücher und DVDs nur Waren, man könnte sich zurücklehnen und dem Machtkampf zwischen großen und kleinen Kapitalisten betrachten und irgendwann über neue Kartellgesetze nachdenken.

Aber es geht um mehr, den Erhalt unserer Kultur. All die vielen kleinen eigenwilligen Bücher, die Sachbücher, die gegen den Strom argumentieren, selbst viele Independent-Filme gibt es, weil es dafür Marktlücken gibt. Sei es, weil ein Verlag aus dem Bestsellergewinn auch mal was Riskanteres finanziert, sei es weil der Vertrieb über das Internet hilft, ein kostendeckendes Auflagenminimum zu erreichen, sei es weil die DVD-Auswertung hilft, einen ungewöhnlichen Film mitzufinanzieren. Immer geht es darum, dass die Vielfalt im Bereich der Kultur erhalten bleibt.
Amazons Eigentümer werden zwar selbst immer reicher, aber sie machen uns kulturell ärmer. Es ist Zeit, ihnen auf die Finger zu hauen und ihre Marktmacht zu beschneiden.

(Kommentar aus dem Sozialdemokrat, Ausgabe August 2014)